Feuerbacher Harry
Feuerbacher Harry

Der Hochbunker auf dem Pragsattel

Man nennt ihn den Boschturm, viele halten ihn für einen Wasserturm. Aber in Wirklichkeit ist das ein Hochbunker aus dem 2. Weltkrieg, der 1941 gebaut wurde. Aber das ist ein ganz besonderer Bunker, er wurde nämlich von Paul Bonatz gebaut. Dieser Architekt baute unter anderem auch den Degerlocher Wasserturm und den Hauptbahnhof. Auch bei dem Bau der Kochenhof Siedlung war er beteiligt. Auf dem Pragsattel wollte man ein Bauwerk, dass sich von anderen abhebt und repräsentativ ist. Der Pragsattel ist eines der größten Tore in die Stadt Stuttgart. Der Bunker ist 12-eckig und sollte mit Trapertinsteinen verkleidet werden. Die dafür erforderlichen Friese wurden erst entfernt, als er Anfang der 60er Jahre zu einem ABC Schutzraum (Atombunker) umgebaut wurde. Durch die 12-eckige Bauweise außen sind die Räume und die 2 Treppenhäuser innen auch rund. Die Industrie war natürlich stark daran interressiert Werbung an dem Turm anzubringen. Um dies auch der Fa. Bosch wieder möglich zu machen wurde der Turm mit 3,5 m hohen Alluminiumwänden erhöht.

Der Bunker hat 8 Stockwerke, von denen aber nur 7 als Schutzraum zur Verfügung standen. Er ist 30m hoch und bot Platz für 1200 Schutzsuchende. Im 7. Stock verlies man den Schutzraum wieder durch eine Drucktüre und ist dann im 8. Stock. Dort befanden sich nämlich die Soldaten der 3,7 cm Flakstellung (Flak = Flugabwehrkanonen), die auf dem Dach installiert waren. In der Mitte das Bauwerks gab es einen Aufzug für die Munition der Geschütze, die im Keller gelagert wurde. Der Aufzug endete aber im 7. Stock, so dass man die Munition über die Treppe auf das Dach zur dem Geschütz tragen mußte. Auf dem Dach ist auch eine Splitterschutzzelle für die Bedienungsmannschaft, falls ein Tiefflieger die Stellung angegriffen hat.

Nach dem Krieg wurde der Bunker als Männerwohnheim benutzt. Zur Internationalen Gartenschau war angedacht, den Bunker mit einem Pagodendach auszustatten, das aber wieder verworfen wurde. Man hatte auch die Idee ein Cafe einzurichten, was aber auch nicht verwirklicht wurde. Seit 1993 hat der Bunker eine Videowand, die vor kurzem vergrößert wurde. Gleich in den ersten Nächten nach der Inbetriebnahme lief nachts einmal zwischen 2 und 3 Uhr auf der Leinwand ein, ich nenne es mal "nicht jugendfreier Film". Meines Wissens wurde der Täter bis heute nicht gefunden.

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